Freitag, 16. September 2011

In Bonn verkehren…

Es gibt zwar keine Statistik darüber, wie viele Jahre der Mensch während seines Lebens im Verkehr verbringt, ich finde das Thema dennoch wichtig genug, ihm einen eigenen Blogeintrag zu widmen, immerhin befinde ich mich jeden Tag etwas über einer Stunde mitten drin (hochgerechnet auf ein Jahr sind das 365 Stunden, mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 82 Jahren sind das 29.980 Stunden, 3.5 Jahre… das jetzt mal dem Bahnverspätungsfaktor x=2.73618.. lassen wir das, man sollte nicht mit gefühlten Zeiten rechnen.)

Es ist auf jeden Fall einiges und zählt durchaus zu den Lebensbeherrschenden Tätigkeiten. Wie verkehrt man also in Bonn am Besten?

Automobil

Das liebste Verkehrsmittel der Deutschen sollte man in Bonn lieber stehen lassen. Zumindest in der Innenstadt ist das sehr ratsam, das haben Leo und ich schon im Juni beim Besichtigen der WGs mitbekommen. Gerade in der Innenstadt sind die Straßen ständig überfüllt, dazwischen immer Busse, Bahnen, Fahrradfahrer und Fußgänger. Oft sind die Straßen viel zu eng.

(Und in Beuel solltet ihr motorisierte Gefährte stehen lassen, weil ihr mit großer Wahrscheinlichkeit an meinem haus vorbei fahren würdet und der Krach einer Bundesstraße geht einem auf Dauer sehr auf die nerven – und das wollt ihr mir ja nicht zumuten.)

Tram und Bahn

Mit der Bahn zu fahren ist hier die kleine Schwester vom russischen Roulette: entweder die Kugel trifft und man ist tot, oder sie trifft nicht, zerstört aber einiges im Kopf – man kann verlieren oder verlieren. Da Bonner Roulette die kleine Schwester ist, ist es nicht ganz so brutal, die Bilanz des Spieles ist aber ähnlich: Entweder man hat Glück und die Bahn kommt, in dem Fall ist sie aber so voll, dass man in zweierlei Hinsicht an Sardinen in der Dose erinnert wird: erstens weil man sie um ihren Platz beneidet. Zweitens weil schon geheizt wird und man dementsprechend im eigenen Saft steht. Bei manchen geht diese Flüssigkeitsabsonderung soweit, dass auch der Duft, der sich in der Bahn verbreitet, an eine Fischbüchse erinnert.

Der andere Fall ist: die Bahn kommt einfach nicht. Nicht nur, dass die Trams und Regionalzüge oft Verspätung haben, manchmal fallen sie aus. Im guten Fall wird einem das noch gesagt (im besten erfährt man sogar den Grund), im schlechten Fall steht man einfach da und wartet vergeblich, bis man auch alle Alternativen verpasst hat.

BUS

Der Bus hat sich bisher als relativ gute Option erwiesen. Erstens halten einige Linien direkt vor meinem Haus, großer Pluspunkt, vor allem nachts.

Weiterhin kamen die Busse bisher immer, sie fahren alle 10 Minuten in so gut wie alle Richtungen und sind einigermaßen schnell, da es an den meisten Stellen extra Busspuren auf den Straßen gibt. Meistens sind die Busse auch nicht ganz so voll wie die Trams, oft bekommt man sogar noch einen Sitzplatz, was gerade für den Rückweg von der Arbeit sehr angenehm ist.

Manchmal passiert es aber auch – wie heute –, dass der Bus da steht, man einsteigt und wartet, der Bus aber einfach nicht losfährt. Man geht also nach vorne, will den Fahrer fragen, ob es Probleme gibt. Der Sitz ist allerdings leer. Schaut man verwirrt zur Seite steht da ein anderer Busfahrer, der aber nicht zuständig ist und erzählt dir, dass der Fahrer noch nicht da wäre und keiner wisse, wo dieser sei. Der Bus fahre aber sofort, wenn der werte Herr auftauche.

Das ist mir bisher aber erst einmal passiert.

(Auf einen Hinweis, der weit her von der anderen Seite des Ozeans zu mir herübergeschwommen kam: ja, ich freue mich dass es überhaupt Busse und Bahnen gibt und ich nicht auf das Auto angewiesen bin. Danke für diesen korrigierenden Blick, Britt ;-) )

Drahtesel

Eine umweltfreundliche Möglichkeit von A nach B zu kommen. Und in Bonn gar nicht so schlecht, wie es scheint. Fast überall gibt es extra ausgebaute Fahrradwege (zweispurig, dass man in beide Richtungen fahren kann) und an allen relevanten Orten ausreichend Abstellplätze, an den weniger relevanten Orten gibt es ausreichend Straßenlaternen und Bäume.

Einem praktischen Test habe ich die Fahrradeinrichtungen aufgrund eines fehlenden Fahrrads noch nicht unterzogen. Kommt vielleicht nächstes Frühjahr. Dann kann ich auch meinen Gutschein für eine Stadtbesichtigung via Zweirad einlösen.

Per pedes

Bonn zu Fuß zu durchqueren hat sich bisher als die beste Variante herausgestellt. Man ist schneller als die Bahnen (wirklich, an vielen Strecken kann man neben ihnen herlaufen und an der nächsten Haltestelle hat man sie überholt), hat frische Luft, ein kostenfreies Workout und sieht etwas von der Stadt. Und auch wenn Bonn sich meistens als Großstadt gibt, zeigt sich hier, dass es doch irgendwie ein Dorf ist: man kann so gut wie von überall nach überallhin laufen ohne sehr sehr lange unterwegs zu sein. Am besten ist die Kombiniertechnik: da wo es geht, mit Bus oder Bahn (solange diese überhaupt kommen und dann nicht im Stau stehen), die Strecken davor, danach, dazwischen laufen.

Es gibt nur eine Bedingung, damit man wirklich schnell vom Fleck kommt: halte dich nicht an rote Ampeln.

In Bonn werden Ampeln aus Prinzip nicht grün. Rekordwartezeit? 17 Minuten. Wie viele der raren Gelegenheiten, eine pünktliche Tram zu bekommen, habe ich schon verpasst weil ein kleines Kind neben mir stand und ich nicht einfach das Gesetz der Straße brechen konnte?

Ich meine das ernst, wenn es geht (manchmal geht es bei den mehrspurigen Straßen nicht, weil zu viele Autos kommen, vor allem an kleineren Straßen oder an den Kreuzungen geht es wunderbar), wenn es also geht, wartet nicht darauf, dass es grün wird. Selbst der geübteste und gelassenste buddhistische Mönch würde hier irgendwann aufgaben und bei rot gehen.

Ich hoffe, ihr könnt euch nun bei eurem nächsten Bonnbesuch für die beste Alternative entscheiden. Bis dahin gute Reise!

Sonntag, 11. September 2011

In aller Kürze

Den Rest des Wochenendes in aller kürze:

Samstag Bügeln, Spülen, Putzen… alles, was unter der Woche so liegen geblieben ist.

Abends geht es ab nach Köln in’s autonome Zentrum. Ein leerstehendes Gebäude, in dem jetzt Partys gefeiert werden, aber auch Leute wohnen. Das finde ich ziemlich cool. Respekt an die Organisatoren, Strom und Wasser zu organisieren. Zu essen gab es veganes Chili non carne, richtig lecker! Bezahlt hat man, was man hatte oder geben wollte und abgespült hat man dann selbst. Finde ich eine gute Idee und daran, dass es funktioniert, sieht man, dass auch das Klientel ein angenehmes ist.

Das AZ sah übrigens genau aus wie unsere Schule

Danach sind wir noch zu einem Freund von meinen Mitbewohnern und saßen da lange. Die anderen sind dann noch auf eine Party, aber um die Uhrzeit war ich zu müde, noch party machen anzufangen und bin nach Hause gefahren. Halbe Odyssee, weil mir die falsche Strecke rausgesucht wurde, ich habe etwa drei Stunden bis nach Hause gebraucht. Aber, das erstaunliche: selbst mitten in der Nacht ist in Köln/Bonn mehr los als teilweise in Frankfurt tagsüber!

Schön war auch, dass ich mit der Straßenbahn an vielen Plätzen vorbeigekommen bin, die ich im Januar mit Leo zusammen gesehen habe, das hat mich wirklich gefreut.

Sonntag habe ich mich dann gar nicht erst angezogen, sondern nur gegammelt.

Abends habe ich dann spontan mit meiner Mitbewohnerin einen Küchengroßputz veranstaltet, wir haben wirklich alle Schränke und Schubladen ausgemistet und neu geordnet. Jetzt haben wir sogar eine Tischdecke und eine Kerze auf dem Tisch und an kann nicht nur besser kochen, sondern sogar in der Küche essen. Das hat sich echt gelohnt.

Samstag, 10. September 2011

Gorgonzola, Blut und Mate

Die Woche ging ruhig weiter.

Am Donnerstag habe ich abends mit meiner Mitbewohnerin und meiner Zimmer- Vorgängerin gekocht. Entschieden haben wir uns für ein Gericht aus meinem vegetarischen Kochbuch: Nudeln mit Champignon- Gorgonzola- Sauce, wirklich sehr zu empfehlen.

Ansonsten war der Abend auch sehr schön.

Freitag war ich Blutspenden. Das erste Mal. Ich wollte es schon lange machen, denn es ist so einfach und bewirkt doch so viel.Leider war ich bisher zu jung, danach zu dünn (50kg ist die Grenze) und dann gab es keine Gelegenheit. Diesmal hat alles gepasst und ich habe mich nach der Arbeit auf zum Friedensplatz gemacht. Nach kurzer Wartezeit (es gab so viele Spender, dass die Ärzte mit untersuchen und anzapfen gar nicht nachkamen), bekam ich das Okay zum Spenden.

Erst war alles in Ordnung, doch zunehmend wurde das Pumpen anstrengender (man muss mit der Hand pumpen, damit das Blut schneller fließt) und mir wurde richtig schwindlig. Sofort wurde ich mit Cola (Zucker+ Flüssigkeit) und Traubenzucker versorgt.

Danach ging es mir schnell wieder besser und nachdem ich noch 20 Minuten liegen geblieben bin, habe ich einen großen Regenschirm bekommen (wie das im thematischen Zusammengang mit der Blutspende steht, weiß ich auch nicht…) und durfte mir dann in der Bäckerei ein großes belegtes Brötchen, ein Stückchen und ein warmes Getränk aussuchen. Entschieden habe ich mich für ein Brötchen mit Salat, doppelt Käse und Ei, einen Apfelplunder und einen großen Kakao. Das mag euch vielleicht nicht sonderlich spannend vorkommen, ich habe mich aber sehr gefreut.

Abends bin ich dann mit zwei Mädels in eine schöne Kneipe gegangen.

Eigentlich wollten wir in eine andere gehen, die haben wir aber nicht gefunden – ich bin nicht schuld, ich bin neu hier! Dann haben wir durch einen Anruf erfahren, wo andere Freunde meiner Begleitung im Moment sind und haben uns für diesen besagten Ort als Alternative entschieden.

Wir haben einen kleinen Umweg über einen Kiosk genommen, um uns mit „Club Mate“ zu versorgen und ich sage euch feierlustigen Menschen: ich weiß, was Miraculix als Zaubertrank verkauft hat.

Club Mate ist eine Art Limonade aus der südamerikanischen Pflanze „Mate“, die Koffein und Gerbstoffe, ansonsten noch viel Zucker enthält. Das Getränk ist alkohol-, laktose- und glutenfrei, ferner vegetarisch und vegan und obendrein noch aus erneuerbaren Energien hergestellt. (Ein Blick in den Wikipedia- Artikel über Mate eröffnet euch noch eine ganze Fülle an weiteren Wundereigenschaften der Pflanze, die auf der Flasche keinen Platz mehr gefunden haben….)

Drei Schluck davon und um halb 6 Uhr morgens war ich immer noch so wach, als wäre es noch früher Abend (und zwar war das ein angenehmes Wachsein, kein so nervöses wie bei Kaffee).

Nach diesem Exkurs zurück zum Geschehen in unserer Kneipe: Die Leute, die wir gesucht haben, waren nicht da.

Naja, wir aber schon, also blieben wir. Getroffen haben wir dann zwei andere nette Menschen, mit denen wir uns sehr gut unterhalten haben. Der eine – übrigens kein, wie fälschlicher Weise wegen der etwas lauteren Umgebung angenommen, Fischer, sondern ein Tischler von Beruf – war am Montag schon in der Kneipe und hat mit uns Kicker gespielt.

Hinzu kam zu späterer Stunde ein mehr als angetrunkener Kerl, der sich mit Barney Stinson verwechselt hat und damit auf Dauer etwas nervig wurde.

Der Abend wurde lang uns länger und es gibt nichts weiter Spannendes darüber zu erzählen als dass ich noch Falafeln (so eine Art Kichererbsen- „Frikradellen“) probiert habe und im Himmel gelandet bin. Wirklich sehr lecker und mehr als eine vegetarische Alternative zu Döner!

Apropos: hier leben wirklich viele Leute vegetarisch oder gar vegan.

In diesem Sinne wünsche ich euch alles Kuhte (Entschuldigung, diese schlechte Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen!)

Dienstag, 6. September 2011

Resume - die erste Woche Bonn

Es ist wohl Zeit für das erste Resume, denn ich habe nun eine Woche Bonn hinter mir.

Das gute Bonn hat die Funktion von Gastgeschenken verstanden. Als Willkommensgruß hatte es mir eine wunderbar sonnige Woche beschert, die pünktlich am 8. Tag meines neuen Lebens vorbei war. Jetzt ist es kalt, stürmisch, regnerisch – herbstlich.

Aber ich will mich ja nicht beschweren.

Die Arbeit ist interessant. Aber auch anstrengend und teilweise etwas mühsam. Neben Listen eintragen, erfasse ich jeden Tag alle TV- und Radiobeiträge, in denen meine Organisation genannt wird, recherchiere alle relevanten Katastrophen seit 1965, kümmere mich um die Post und wechsle die Zeitungen jeden morgen aus. Dazu kommen noch kleinere Aufträge.

Aber es gefällt mir sehr gut.

Die Stadt Bonn finde ich richtig schön. Überall ist es grün, mit Wiesen und Bäumen, es gibt wunderschöne Häuser, ich habe jeden morgen einen genialen Blick auf den Rhein, die Stadt ist richtig lebendig… einfach gut!

Ich möchte jetzt anfangen, die Theater und Museen abzuklappern, dass ich die Stadt auch von dieser Seite kennen lerne. Ich habe gehört, auf der Ebene hat Bonn auch einiges zu bieten.

Meine Mitbewohner finde ich klasse, ich habe mich gut eingelebt. Ich sitze viel mit den beiden und deren Freunden zusammen und habe viel Spaß.

Gestern haben mein Mitbewohner und ich eine richtig fette Reis- Gemüse- Pfanne gemacht. Die war göttlich. Mit Chili, Curry, viiiiel frischem Gemüse (wir haben keine Tiefkühltruhe, anders als frisch geht also auch gar nicht) und sogar mit frischem Schnittlauch. Ein lukullischer Hochgenuß.

Doof finde ich, dass ich mir die Haare so oft waschen muss.

Das kommt von den vielen Abgasen, das lässt sie schneller fetten. Zum Vergleich: Kaiserin Sissi, eine absolute Beauty- Fetischistin, die alles nur erdenkliche getan hat, um gut auszusehen (unter anderem hat ihr Wahn sie zur Magersucht getrieben), eben diese Sissi hat ihr Haare nur alle vier Wochen gewaschen, weil es damals eben nicht so viele Abgase gab. Hier in einer Großstadt kann davon nicht die Rede sein.

Dafür habe ich andere Vorteile.

Zum Beispiel eine Monatskarte der Tarifstufe 1b, mit der ich im gesamten Bonner Innenstadtgebiet und alle näheren Stadtteilen (also alles was ich brauche) kostenlos rum fahren kann. Ich finde das gut.

Ich habe übrigens einen Schutzengel. Klar, das wusste ich schon lange, ich bin ein verdammtes Glückskind, aber das werte Flügelwesen hat es am Tag meines Wochenjubiläums noch mal unter Beweis gestellt:

Vor dem Monatsticket bin ich das ein oder andere Mal schwarz gefahren – und damit meine ich nicht die Farbe meiner Schuhe.

Und der erste Tag, an dem ich wieder ein gültiges Ticket habe, ist der erste Tag, an dem ein Kontrolleur mit der Tram mitfährt. Ui, dachte ich mir, habe ich ein Glück, obwohl er nichtmal kontrollierte.

Noch mehr Glück hatte ich, das erwies sich später, dass er mich nicht nach diesem Ticket fragte – denn es lag friedlich auf meinem Schreibtisch und brachte mich damit unfreiwillig dazu, noch einmal als blinder Passagier an Bord zu gehen....

(Übrigens dachte ich, ich habe meinen Geldbeutel verloren und war wirklich erleichtert, dass er auf meinem Schreibtisch wartete. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankschön an die kompetente Seelsorge per Alditalk- SMS- Flatrate von meiner lieben Gesa)

Montag, 5. September 2011

Meine erste Lektion Bogenschießen und mein erster Kneipenbesuch in Bonn

Ich habe erzählt, dass ich im Hofgarten erklärt bekommen habe, wie man einen Bogen baut. Wir hatten darüber hinaus ein nettes Gespräch und haben Kontakt gehalten. Heute hat es sich ergeben, dass ich auch eine Einführung in’s Bogenschießen erhalte.

Nach der Arbeit haben wir uns am Konrad- Adenauer- Platz getroffen und sind auf die Felder und Wiesen am Rhein (mitten in der Stadt) gewandert, wo noch einige Heuballen herumstehen. Wegen des guten Wetters war reger Betrieb, an unserer Stelle war es ein bisschen ruhiger. Pfeil und Bogen fallen bisher noch nicht unter das Waffenschutzgesetz, können aber trotzdem ziemlich weh tun und das wollten wir den anderen Sonnenanbetern doch ersparen.

Mit einem Anfängerbogen habe ich die ersten Schüsse gemacht, nach kurzer Zeit wurde dieser – auch selbstgebaute – Bogen gegen einen dickeren und damit anspruchsvollern eingetauscht.

Der Iraner hat mir die Haltung gut gezeigt, so dass ich schnell gelernt habe. Außerdem hat er mir erklärt, dass diese Art zu Schießen „Intuitivschießen“ heißt.

Es gibt hierbei nicht wie beim Sportschießen ein Visier, eine Auflage für den Pfeil, eine Markierung, wann der Pfeil senkrecht auf der Sehne sitzt (das ist nämlich wichtig). Es gibt nur den Pfeil, den Bogen und sich selbst.

Ziel ist es, irgendwann ohne Nachdenken schießen zu können; das heißt also, nicht zu Kontrollieren, ob die Haltung, die Pfeilausrichtung, die Spannweite etc. richtig sind und ohne zu zielen, sondern den Bogen hochzunehmen, zu schießen – und zu treffen.

Ich habe schon nach kurzer Zeit bemerkt, wie das entspannt. Man denkt nicht mehr nach, es geschieht einfach, man fokussiert sich selbst, das ist sehr meditativ. Denn auch ohne Nachdenken war ich sehr konzentriert.

Nach etwa einer Stunde habe ich aufgehört. Eine kleine Blase habe ich davon getragen, das ist aber nicht weiter schlimm.

Ich bin sehr stolz, denn der Iraner meinte, für den Anfang war ich unglaublich gut und wirklich, ich habe sehr oft genau getroffen. Das hat mich sehr gefreut.

Abends saß ich erst mit meinem Mitbewohner und dessen Freundin bei ihm auf dem Sofa, bin dann mit meiner Mitbewohnerin und einer Freundin in eine kleine und sehr gemütliche Metalkneipe gegangen. Der Abend war nicht lang – wir mussten alle am nächsten Morgen früh raus – aber wirklich gelungen. Wir hatten großen Spaß und ausgelassene Gespräche.

Vom Kickertunier, das mein Team haushoch verloren hat, erzähle ich lieber nicht, denn der Abend war trotzdem erfolgreich.

Sonntag, 4. September 2011

Liebstenbesuch und Nordbrückenparty - das erste Wochenende

Dieses Wochenende kam mein Liebster vorbei. Ganz spontan, denn der ursprünglich angepeilte Termin und der mögliche Ausweichtermin wurden von Seiten seiner Trägerschaft an die Ostsee verbucht. Schön war es trotzdem.

Um mein Wochenende – mit drei Ausnahmen, auf die ich gleich eingehen werde – zu erläutern, bediene ich mich heute einer Buchstelle, die sicher jeder kennt:

Willst du schon aufstehen? Der Tag ist ja noch fern. Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, die eben dein banges Ohr durchdrang! Glaub mir, Lieber, es war die Nachtigall!

(Den Rest dieser ausführenden Passage erspare ich euch…)

Vielleicht haben wir diese Worte nicht wortwörtlich ausgesprochen, dennoch hingen sie genau so in der Luft. Sie waren so präsent, dass wir sie tatsächlich nicht mal artikulieren mussten. Hätten wir es dennoch getan, hätte es eventuell auch etwas anders geklungen, immerhin lebe ich nicht im Verona von vor vielen Jahren sondern im heutigen Bonn:

Willst du schon aufstehen? Der Tag ist ja noch fern. Es war der Nachtbus und nicht der Berufsverkehr, der dir eben dein banges Ohr durchdrang! Ehrlich, es war der Nachtbus….

So vom Nachtbus bestätigt könnt ihr euch vorstellen, wo wir den größten Teil des Wochenendes ganz ohne Scham verbracht haben.

Aber es hat ja auch geregnet. Am Sonntag zumindest. Für so drei Stunden… glaube ich, ich war ja nicht draußen.

Zwei der Ausnahmen, die ich nicht erfunden habe, bildeten zwei wunderschöne Spaziergänge, die andere eine Party meiner Mitbewohner.

Diese fand, wie der Name schon sagt, unter der Nordbrücke statt, der nördlichsten Autobahnbrücke Bonns. Das hat den Vorteil: es regnet nicht auf die Party drauf, niemand beschwert sich über den Lärm und es ist genug Platz zum Tanzen.

Das ganze ist ganz professionell aufgezogen mit verschiedenen DJs, die von 18.00 Uhr abends bis 11.00 Uhr morgens auflegen, richtig guten Boxen, Getränkeverkauf und einer schönen Lichtshow. Dazu kommt ein gemütlicher Chill out- Bereich mit Lagerfeuer direkt am Rheinufer.

Die Schönheit des Events wird von 150 bis 200 Besuchern (je nach Uhrzeit) gebührend durch ausgelassenes Tanzen honoriert. (Ich spreche übrigens in der Gegenwartsform, da das regelmäßig organisiert wird. Nein, der Deutsch- Leistungskurs- Geist hat mich noch nicht verlassen….)

Um 3.00 Uhr sind Liebster und ich bei sanftem Regen wieder nach Hause gelaufen.

Ein sehr gemütliches und schönes Wochenende im guten Bonn.

Donnerstag, 1. September 2011

Es ist vorbei mit der Abiturienterei... 1. Arbeitstag

Acht Stunden konzentriert sein, nachdenken, etwas – mehr oder weniger - Sinnvolles vollbringen, daran bin ich gar nicht mehr gewöhnt. Doch jetzt ist es aus mit der Abiturienterei, jetzt beginnt der Ernst des Lebens: Nach über dreieinhalb Monaten Pause habe ich heute meinen ersten Arbeitstag gehabt.

Viel zu erzählen gibt es darüber nicht, ich wurde allen vorgestellt und habe alles gezeigt bekommen – sich an die 50 Namen und 73 Prozesse und Arbeitsschritte zu merken ist mit eingerostetem Gehirn gar nicht einfach, das sage ich euch. Im Moment mache ich die Aufgaben, die keiner sonst machen will, ist ja klar, so ganz am Ende der Nahrungskette erwartet das keiner anders. Trotzdem macht es irgendwie Spaß und Einblicke erhalte ich so ja auch.

Eine wahre Odyssee habe ich mit meinem Computerzugang erlebt, erst ging nichts, dann pro Gang zur EDV- Abteilung eine Sache mehr. Ingesamt habe ich wohl 2.5 Stunden bei den Jungs verbracht, ich glaube, die beiden EDVler kenne ich jetzt am Besten vom ganzen Team.

Schlecht war die Sache jedenfalls nicht, ich hatte ein suuuper Workout immer die Treppen rauf und runter und ich hatte nette Gespräche im Informatikerkabuff.

Danach ging’s wieder auf in den Hofgarten, bei Sonnenschein und 28°C lässt es sich leben. Zur Abwechslung bin ich mal nach Hause gelaufen, etwa 30 Minuten bei Sonnenuntergang, sehr schön – und vor allem kostet es keine 2,50 €.

Morgen noch einmal arbeiten, das Wetter soll so bleiben, dann ist schon Wochenende. Wie schön!